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Erythrozyten.net : Blutarmut (Anämie)

Was ist eine Anämie (Blutarmut)?

Der Begriff Anämie stammt aus dem griechischen und bedeutet so viel wie "ohne Blut". Man spricht umgangssprachlich auch von Blutarmut oder Blutmangel. Bei einer Anämie ist die Sauerstoff-Transport-Fähigkeit des Blutes vermindert. In den Organen kommt weniger Sauerstoff (Energie) an als eigentlich erforderlich wäre. In der Folge reagiert der Körper meist mit einer erhöhten Herzmuskelfrequenz. Das Blut wird dadurch schneller durch den Körper gepumpt. Allerdings ist diese erhöhte Herzaktivität belastend.

Anämie
Anämie

Bei einer Anämie ist die Konzentration von Hämoglobin im Blut vermindert. Das ist der rote Blutfarbstoff in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten). In aller Regel geht die verminderte Hämoglobin-Konzentration mit einem Mangel an funktionstauglichen Erythrozyten einher.

Hämoglobin
"Hämoglobin" © M. Mißfeldt (Bildquelle)

Die Erythrozyten bestehen zu rund 90% aus Hämoglobin. Dieser Proteinkomplex besteht aus vier Globinen (Aminosäureketten) mit jeweils einer Häm-Gruppe. Im Zentrum der Hämgruppe sitzt ein Eisen-Ion. An dieses Eisen-Ion kann sich Sauerstoff anhaften - oder Kohlendioxyd. Die am weitesten verbreitete Anämieform ist die Eisenmangelanämie.

Anämie erkennen: Blutwerte / Laborwerte

Eine Anämie kann vielfältige Ursachen haben. Entsprechend vielfältig ist auch die Einteilung. Um die Ursachen zu erkennen, können im Rahmen einer Blutuntersuchung (Kleines Blutbild) eine Reihe von Daten analysiert werden.

Zunächst einmal sind natürlich der Anzahl der Erythrozyten und der daraus resultierende Hämatokrit sowie die Hämoglobinkonzentration wichtig. Wenn die Hömoglobinkonzentration zu niedrig, die Anzahl der Erythrozyten zu gering oder der Hämatokrit vermindert ist (Verhältnis Blutzellen zu Blutplasma), liegt eine Anämie vor. Meist sind alle drei Werte vermindert.

Abk. Männer Frauen
Anzahl Erythrozyten (Ery) 4,5 bis 5,9 Mio. pro µl 4,1 bis 5,2 Mio. pro µl
Hämatokrit (Hkt) 42 - 50 % 37 - 45 %
Hämoglobinkonzentration (Hb) 13 bis 17 g pro dl 12 bis 16 g pro dl

Bitte beachten Sie, dass die Normalwerte in Ihrem Laborbefund abweichend sein können. Entscheidend ist immer der Referenzwert des Labors.

Erythrozyten Größe
Größe gesunder Erythrozyten : ca. 7,5 Mikrometer Durchmesser, ca. 1-2 Mirkometer dick

Erythrozyten-Indices

Diese Werte besagen zunächst nur, dass eine Anämie vorliegt, aber noch nicht, um welche Art es sich handelt. Das ist jedoch sehr wichtig, um eine geeignete Therapie bzw. Behandlung zu finden. Also werden noch weitere Werte untersucht, die sog. Erythrozyten-Indices. Dazu gehören:

Die Normalwerte sind:

Abk. Männer Frauen
Hämoglobinmenge pro Erythrozyt (MCH) 27 - 34 pg 27 - 34 pg
durchschnittliche Hämoglobinkonz. (MCHC) 32 - 36 g pro dl 32 - 36 g pro dl
Größenverteilung  der Erythrozyten (EVB) 11,5 bis 14,5 11,5 bis 14,5

Bitte beachten Sie, dass die Normalwerte in Ihrem Laborbefund abweichend sein können. Entscheidend ist immer der Referenzwert des Labors.

Darüber hinaus ist noch die Anzahl der Retikulozyten wichtig. Das sind die jungen, noch nicht voll ausgereiften Erythrozyten, von denen bei der Produktion der roten Blutkörperchen (Erythropoese) im Knochenmark stets ein gewissen Anteil ins Blut abgegeben wird (sie reifen dann innerhalb von 2-3 Tagen im Blut heran und werden zu Erythrozyten).

Erythropoese
Erythropoese - Entstehungsprozess der roten Blutkörperchen

Die Anzahl der Retis kann Aufschluss darüber geben, ob die Blutproduktion in vollem Gange ist (z.B. bei einer abklingendem Anämie) - oder ob die Blutbildung kürzlich gedrosselt wurde (Anfangsstadium einer Anämie). Die Normalwerte sind:

Abk. Beschreibung Normalwerte
Retis Anteil der Retikulozyten Männer & Frauen: 3 bis 18 pro 1.000 Erys

Bitte beachten Sie, dass die Normalwerte in Ihrem Laborbefund abweichend sein können. Entscheidend ist immer der Referenzwert des Labors.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Werte, die zur Bestimmung der Anämie beitragen. Da in vielen Fällen Eisenmangel die Ursache ist, werden die Werte Transferrin und Ferritin geprüft. Ferritin (Depot-Eisen) ist quasi der Speicherort für neues, unbenutztes Eisen im Körper. Transferrin ist ein Transport-Protein, dass das Eisen von seinem Speicherort ins Knochenmark bringt. Das Stadium einer Anämie lässt sich daher oft schon an diesen drei Werten ablesen:

  Prälatente Anämie latente Anämie manifeste Anämie
Hämoglobin normal normal erniedrigt
Transferrin (Sättigung) normal erniedrigt erniedrigt
Ferritin erniedrigt erniedrigt erniedrigt

Die Normalwerte sind:

  Männer Frauen
Hämoglobin: 13 - 17 g/dl 12 - 16 g/dl
Transferrinsättigung: 25% - 45% 25% - 45%
Ferritin: 30 ng/ml - 300 ng/ml 20 ng/ml - 100 ng/ml

Bitte beachten Sie, dass die Normalwerte in Ihrem Laborbefund abweichend sein können. Entscheidend ist immer der Referenzwert des Labors.

Ursachen einer Anämie

Eine Anämie kann genetisch bedingt sein. Häufiger ist jedoch eine temporäre Anamie, die durch äußere Umstände verursacht wurde. Dazu zählen zum Beispiel:

Man kann prinzipiell zwischen angeborenen (vererbten) und erworbenen (temporären) Anämien unterscheiden. Letztere sind in aller Regel auf einen Mangel bestimmter Substanzen (Eisenmangel, Vitamin B12 Mangel, Folsäure-Mangel) zurückzuführen.

Zudem lassen sich Anämien hinsichtlich der Form und Größe der Erythrozyten sowie des jeweiligen Hämoglobingehalts weiter differenzieren:

Normozytäre Anämie

Bei einer normozytären Anämie sind die Erythrozyten hinsichtlich Form und Hämoglobingehalt weitgehend normal ausgebildet. Es sind allerdings zu wenige im Blut vorhanden, weil zu wenige im Knochenmark gebildet werden. Die Produktion der Erythrozyten wird durch das Hormon Erythropoetin (kurz: Epo) ausgelöst, das in der Niere synthetisiert wird. Wenn zu wenig Epo freigesetzt wird, verlangsamt sich auch die Erythrozyten-Produktion. Da die Blutzelle normal aussehen, spricht man von einer "normozytären" Anämie.

Normozytäre Anämie
Normozytäre Anämie: Aufgrund zu geringer Erythropoetin-Konzentration werden zu wenig Erythrozyten gebildet.

Die Ursache für die verminderte Epo-Konzentration sind meist Erkrankungen der Niere. Allerdings kann sie auch aufgrund von Sauerstoffmangel in der Umgebung ausgelöst werden (z.B. im Hochgebirge). Zudem ist eine Reaktion auf Medikamente möglich. Bei einer normozytären Anämie ist der Blutwert MCV (Mittleres Erythrozytenvolumen) normal.

Mikrozytäre Anämie

Bei einer mikrozytären Anämie sind die Blutzellen zu klein, weil nicht genügend Hämoglobin gebildet werden kann. Ursache sind meist Eisenmangel oder Probleme beim Speichern oder Transportieren des Eisens im Körper. Am weitesten verbreitet ist die Eisenmangelanämie (ca. 80%, zum größten Teil weibliche Patientinnen).

Mikrozytäre Anämie
Mikrozytäre Anämie: Aufgrund von Eisenmangel können die Erythrozyten nicht ausreichend Hämoglobin bilden

Ursache für den Eisenmangel bei der Blutbildung (Hämatopoese) können sein:

Bei einer normozytären Anämie ist der MCV-Wert vermindert.

Hämoglobinopathie

Wenn die Ursache für die verminderte Hämoglobinproduktion erblich bedingt ist, spricht man von einer Hämoglobinopathie. Diese gehören zu den häufigsten Erbkrankheiten der Weltbevölkerung. In den Ländern Nord- und Mitteleuropas und ebenso in Deutschland haben sie durch die Immigration in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Zu den Hämoglobinopathie gehören u.a die

Im Falle von bösartigen Tumorerkrankungen spricht man von einer Tumoranämie.

Hypochromie

Bei der mikrozytären Anämie sind die roten Blutkörperchen aufgrund des geringeren Eisenanteils zudem meist auch blasser als gewöhnlich (hypochrom), siehe auch Hypochrome Anämie (Hypochromie). Der Hämoglobin-Anteil pro Erythrozyt lässt sich an der Menge von Hämoglobin pro Zelle ablesen (Blutwert "MCH": Mittleres Korpuskuläres Hämoglobin).

Typischerweise wird daher eine Anämie dieser Kategorie als „mikrozytäre, hypochrome Anämie“ bezeichnet.

Makrozytäre Anämie

Bei einer  makrozytären Anämie (auch megaloblastäre Anämie) ist die Produktion der Erythrozyten (Erythropoese) aufgrund eines Mangels an Vitamin-B12 (Cobalamin), seltener von Thiamin oder Folsäure, eingeschränkt. Dieser Mangel führt dazu, dass die roten Blutkörperchen sich nicht vollständig entwickeln können - sie bleiben in einer (größeren) Vorstufe hängen. Da diese Vorstufe, die sog. Retikulozyten, größer sind als die Erythrozyten, spricht man von einer "makrozytären" Anämie.

Makrozytäre Anämie
Makrozytäre Anämie: Erythrozyten haben verminderte Hämoglobinmenge und sind größer, weil sie nicht voll ausreifen (Vorstufe ist größer)

Bei der makrozytären Anämie ist das mittelere Erythrozytenvolumen zu groß, siehe MCV-Wert erhöht. Das Blut wirkt aufgrund des hohen Eisenanteils in den Erys kräftiger bzw. leuchtender rot als gewöhnlich (hyperchromhyper=vermehrt). Der Hämoglobin-Anteil pro Erythrozyt lässt sich an der Menge von Hämoglobin pro Zelle ablesen (Blutwert "MCH": Mittleres Korpuskuläres Hämoglobin).

Typischerweise wird daher diese Anämie als „makrozytäre, hyperchromen Anämie“ beschrieben.

Der Vitamin-B12-Mangel kann vielfältige Ursachen haben:

Auch ein Folsäure-Mangel kann verschiedene Ursachen haben:

Symptome bei einer Anämie

Die typischen Symptome einer Anämie sind entweder direkt auf den Sauerstoffmangel, also die mangelnde "Energieversorgung" der Zellen zurückzuführen, oder treten als Folgeerscheinungen auf. Zu den ersten Anzeichen gehören:

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