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Erythrozyten.net : Thrombozyten

Was sind Thrombozyten?

Thrombozyten
Thrombozyten

Das Blut enthält neben dem Blutplasma drei wichtige Zellarten. Neben den Erythrozyten, die für den Sauerstofftransport verantwortlich sind, und den Leukozyten, die auf die Abwehr von Fremdkörpern spezialisiert sind (Immunsystem), spielen die Thrombozyten eine wichtige Rolle.

Aufbau und Größe der Thrombozyten

Thrombozyten (auch Blutplättchen genannt) sind Zellen im Blut, die für die Blutgerinnung zuständig sind. Von den drei genannten sind die Thrombozyten mit nur 2-3 µm (Mikrometer) die kleinsten Zellen - die Erythrozyten sind mit circa  7,5 µm etwa drei mal so groß. Thrombozyten besitzen keinen Zellkern und damit auch keine DNA, so dass sie nicht durch Zellteilung entstehen können. Stattdessen werden sie im Knochenmark von sog. Megakaryozyten gebildet. Diese riesigen Zellen gehören mit ca. 150 Mikrometern Durchmesser zu den größten Zellen im menschlichen Organismus. Von den Megakaryozyten werden Stück für Stück kleine "Fetzen" abgetrennt (bis zu 8000 pro Zelle), die dann als Thrombozyten in das Blut gelangen.

Der Begriff "Thrombozyt" leitet sich aus dem altgriechischen ab und bedeutet so viel wie "Klumpen". Sie haben keine glatte Oberfläche, sondern bestehen aus einem Klumpen feiner Verästelungen mit zahlreichen Tentakeln.

Bei gesunden Personen gilt eine Thrombozytenanzahl von 150.000 bis 380.000 pro µl Blut als Normalwert. Die durchschnittliche Lebensdauer von Thrombozyten beträgt acht bis zwölf Tage. Der Abbau erfolgt hauptsächlich in der Milz sowie in der Lunge und, in geringerem Maße, in der Leber.


Aufgabe der Thrombozyten

Die Unversehrtheit der Blutbahnen ist von entscheidender Bedeutung. denn sonst würde das Blut irgendwo "abfließen" und könnte nicht mehr die Zellen mit Sauerstoff versorgen. Wenn irgendwo im Körper ein Blutgefäß bzw. eine Blutbahn verletzt wurde, kommen die Thrombozyten ins Spiel: sie lagern sich an das umliegende Gewebe an und bilden "Klumpen", das heißt durch den Zusammenschluss von sehr vielen Throbozyten wird die verletzte Stelle schnell geschlossen. So hat das Gewebe Zeit, sich zu regenerieren.

Die Throbozyten sind also so eine Art "schnelle Eingreiftruppe für den Notfall", die verletztes Blutgewebe schnell abdichtet, damit so wenig Blut wie möglich verloren geht.

Blutgerinnung

Der Vorgang der Blutgerinnung läuft grob vereinfacht so ab: im Falle einer Verletzung der Blutgefäße lagern sich die ersten Thrombozyten an dem verletzten Gewebe an. Sie entfalten ihre Tentakel und nehmen dadurch deutlich an Größe zu. Durch das Enzym Thrombin wird das Protein Fibrin freigesetzt. Fibrin ist so eine Art "Zellklebstoff". Weitere vorbeifließende Thrombozyten haften daran an, die sich wiederum auffalten, ausdehnen und Fibrin freisetzen. Der Prozess läuft in sehr kurzer Zeit ab, weil das vorbeifließende Blut viele Thrombozyten enthält. So entsteht in kurzer Zeit ein feinmaschiges Netz aus hundertausenden Thrombozyten, durch das die anderen Bestandteile des Blutes nicht mehr hindurchpassen. Die Wunde ist geschlossen.

Man bezeichnet diesen Vorgang auch als Thrombozytenaggregation (Zusammenlagerung = Aggregation).

Koagulum und Thrombus

Die weiße, manchmal eitrige Schicht, die sich äußerlich über der Wunde bildet, ist eine Mischung aus den drei Blutzellarten Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten, zusammengeahlten durch den Körperklebstoff Fibrin. Man nennt diese Schicht auch Koagulum (oder auch Blutpfropf bzw. extravasales Blutgerinnsel).

Wenn sich die Wunde im Inneren des Blutgewebes bildet, spricht man von einem Thrombus. Dieser wird nach der Wundheilung in der Regel problemlos weggespült und abgebaut. In manchen Fällen kann das aber auch schwerwiegende Probleme verursachen, zum Beispiel einen Herzinfarkt, eine Thrombose oder in deren Folge die Lungenembolie.


Primäre Erkrankungen (Thrombozyten-Anzahl)

Erkrankungen, die auf einen Mangel an Thrombozyten zurückzuführen sind, nennt man Thrombozytopenien.

So kann sich zum Beispiel bei einer Milzvergrößerung (Splenomegalie) die Lebensdauer der Thrombozyten verringern. Bei gleichbleibender Neuproduktion führt das dann zu einer geringeren Thrombozyten-Konzentration im Blut.

Eine Überschuss an Thrombozyten im Blut wird auch als Thrombozytose bezeichnet.

Auch hier kann wiederum die Milz die Ursache sein: Wenn diese nicht richtig arbeitet oder entfernt wird, werden die Thrombozyten nicht mehr in dem Maße abgebaut, wie neue gebildet werden. Die Folge ist eine erhöhte Thrombozyten-Konzentration im Blut.

Da die Thrombozyten im Knochenmark gebildet werden, führen auch Erkankungen des Knochenmarks zu erhöhter oder verringerter Konzentration.

Einige weitere seltene Erkrankungen, die mit einem Mangel an Thrombozyten einhergehen, sind:

Verschiedene Medikamente können auf die Thrombozytenzahl einwirken.

Sekundäre Erkrankungen (Thrombozyten-Funktion)

Erkrankungen, die die Funktion der Thrombozyten beeinträchtigen, heißen Thrombozytopathien. Dazu zählen unter anderem:

Wer hat die Thrombozyten entdeckt?

Max Schultze, Entdecker der Thrombozyten
Max Schultze,
Entdecker der Thrombozyten

Der deutsche Anatom und Zoologe Max Johann Sigismund Schultze (1825 - 1874) hat im Jahr 1865 mit Hilfe immer besserer Mikroskope die Thrombozyten entdeckt. Er wurde damit zum Mitbegründer der Zellenlehre (Zytologie).

Beneben entdeckte Schultze übrigens auch noch die verschiedenen Zellarten in der Netzhaut des Auges: er unterschied als erster die Stäbchen und Zapfen.

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