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Erythrozyten.net : Retikulozyten

Was sind Retikulozyten?

Retikulozyten sind junge, noch nicht voll ausgereifte Blutkörperchen - die Vorläufer der Erythrozyten. Anders als die ausgereiften Erythrozyten besitzen sie noch Teile der Erbinformationen (RNA) sowie ein Netz aus Ribosomen. Bei der Neuproduktion entwicklen sich die Retikulozyten aus den Normoblasten, wenn sie ihren Zellkern abstoßen.

Retikulozyt
Retikulozyt

Ein Teil der jungen Retikulozyten wird bereits in den Blutkreislauf abgegeben bzw. mitgespült. Sie wachsen dann im Blut heran. Wenn sie (nach ca. 1 - 2 Tagen) die RNA und die übrigen Zellorganellen abstoßen, sind sie voll ausgereifte rote Blutkörperchen (Erythrozyten) - mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von rund 120 Tagen. Hier eine grafische Darstellung der 5 Entwicklungsphasen vom Proerythroblast hin zum Erythrozyt, mit der vorletzten Entwicklungsstufe Retikulozyt - den gesamten Prozess nennt man Erythropoese:

Erythropoese
Erythropoese - Entstehungsprozess der roten Blutkörperchen

Unter dem Mikroskop sehen Retikulozyten etwas größer aus als Erythrozyten. Sie fallen vor allem durch eine netzartige Struktur auf, daher auch ihr Name (reticulum ist die Verkleinerungsform von rete = „Netz“).

Die Anzahl an Retikulozyten im Blut erlaubt Rückschlüsse auf die Blutproduktion im Knochenmark. So lässt sich anahnd der Anzahl der Retikulozyten im Verhältnis zur Anzahl der Erythrozyten feststellen, ob die Produktion zur Zeit überdurchschnittlich ist oder unterdurchschnittlich. So lässt sich zum Beispiel eine akute oder abklingende Anämie erkennen.

Retikulozytose

Das vermehrte Auftreten von Retikulozyten im Blut bezeichnet man als Retikulozytose. Sie ist das Zeichen einer gesteigerten Neusynthese von Erythrozyten (z.B. nach Blutverlusten). Zur Differentialdiagnose von Anämien können folgende Retikulozyten-abhängige Parameter bestimmt werden:

Normalwerte

Die Anzahl der Retikulozyten wird als relativer Wert, und zwar im Verhältnis zur Anzahl der Erythrozyten gemessen. Der Normalwert beträgt 3 - 18 ‰ (Promille). Der Referenzbereich für Retikulozyten liegt bei etwa

Bei Angabe eines relativen Wertes entspricht dies 3-18 Retikulozyten pro 1.000 Erythrozyten, d.h. 0,3- 1,8 %. (Hinweis: Ausschlaggebend ist der vom jeweiligen Labor angebene Referenzwert).

Die Retikulozyten erlauben quasi eine Prognose in das zukünftige Blutbild. Wenn die Anzahl der Erythrozyten gering ist und gleichzeitig viele Retikulozyten gemessen werden, deutet das darauf hin, dass die Regenration des Blutes in vollem Gange ist. Wenn andererseits bei einem erhöhten Erythrozytenwert nur wenig Retikulozyten messbar sind, dann reguliert sich offensichtlich eine Erythrozyten-Überproduktion (Polyglobulie).

Retikulozyten zu hoch

Eine erhöhte Anzahl an Retikulozyten zeigt, dass die Blutproduktion in vollem Gange ist. Das kann natürliche Gründe haben (z.B. Regeneration nach starken Blutverlust). Problematisch wird dieses erst, wenn die Produktion unkontrolliert von statten geht oder aufgrund leistungssteigernder Substanzen hervorgerufen wird (Doping).

Retikulozyten zu niedrig

Wenn die Anzahl der Retikulozyten zu niedrig ist, kann das ein Hinweis auf eine Anämie (Blutarmut) sein. Ursache kann eine Mineralstoff- bzw. Vitaminmangel sein, z.B. Eisenmangel, Vitamin B12-Mangel oder Folsäuremangel.

Siehe auch: Wikipedia/Hämatokrit