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Erythrozyten.net : Blutarmut (Anämie)

Eisenmangelanämie

Anämie
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gegen Eisenmangel

Eine Eisenmangelanämie ist die häufigste Form der Anämie - und wahrscheinlich sogar (global gesehen) die haufigste Mangelkrankheit überhaupt. Aufgrund von Eisenmangel können nicht ausreichend funktionsfähige rote Blutkörperchen (Erythrozyten) gebildet werden. Dadurch kann nur weniger Sauerstoff im Blut transportiert werden, was zahlreiche Symptome mit sich bringt.

Was ist eine Anämie?

Definierung der Anämie: Blutarmut, d.h. Verminderung der Anzahl der roten Blutkörperchen und / oder des Hämoglobingehaltes und / oder des Volumens der Erythrozyten.

AnämieAnämie

Symptome einer Eisenmangelanämie

Welche körperlichen Beschwerden lassen eine Eisenmangelanämie vermuten?

  1. Schwächegefühl, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Leistungsabfall, Schwindel,
    Blässe, Herzrasen
  2. Veränderungen an Haut, Nägeln und Haaren: Sprödigkeit, Ausfall oder frühzeitiges Ergrauen der Haare
  3. Wunde Stellen an den Mundwinkeln (Mundwinkelrhagaden) und in der Mundhöhle
    (Aphthen), Zungenentzündung mit Anschwellen der Zunge (Glossitis)
  4. Unruhige Beine, besonders nachts (Restless legs)
EisenmangelanämieEisenmangelanämie

Ursachen

Es gibt zahlreiche mögliche Ursachen. Die häufigste ist der Eisenmangel, die zweithäufigste sind Entzündungen und Tumoren. Ursachen der Eisenmangelanämie:

Diagnose

Wie kann man eine Eisenmangelanämie feststellen? Welche Blutwerte sind verändert? Für die Diagnose muss man drei Blutwerte messen:

  Prälatente Anämie latente Anämie manifeste Anämie
Hämoglobin: normal normal erniedrigt
Transferrin (Sättigung) normal erniedrigt erniedrigt
Ferritin: erniedrigt erniedrigt erniedrigt

Normalwerte

1. Der Hämoglobinwert ( Hb -Wert ) ist normal

2. Die Transferrinsättigung ist normal

3. Das Ferritin ist normal

Manchen neugierigen Menschen reicht diese Information nicht. Sie wollen wissen, was diese Werte bedeuten. Dafür muss man allerdings den komplizierten Mechanismus der Blutbildung verstehen.

Entstehen und Sterben der Erythrozyten (Erys)

Auf ihrem Weg durch den Kreislauf, besonders durch die engen kleinen Blutgefäße, sind die Erys erheblichen mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass ihre Lebensdauer beschränkt ist, nämlich nur 4 Monate. Sie zerfallen zum größten Teil in der Blutbahn, besonders in der Lunge und der Milz. Ihre Trümmer werden von besonderen Zellen (Reticuloendothelzellen ) aufgenommen.

Die Neubildung der Erys erfolg im Knochenmark (siehe Erythropoese). Dafür werden mehrere Baustoffe benötigt wie Aminosäuren, Eisen, Hormone, Vitamine und Spurenelemente.

Erythropoese
Erythropoese - Entstehungsprozess der roten Blutkörperchen

Während die meisten Baustoffe in ausreichender Menge vorhanden sind, kann das Eisen zu einem Problem werden. Die Menschen merken nicht, wenn sie zu wenig Eisen zu sich nehmen. Im Gegensatz dazu ist es beim Zucker anders. Da merkt das Gehirn schnell, wenn eine Unterzuckeung vorliegt und löst einen Appetit auf Kuchen aus. Einen Appetit auf Eisen gibt es nicht.

Um zu vermeiden, dass man bei eisenarmer Ernährung zu schnell in einen Eisenmangel gerät und kein Blut mehr bilden kann, hat der Körper Eisenspeicher in der Leber und der Milz angelegt.

Die Neubildung im Knochenmark ist genau dem jeweiligen Verlust angepasst, so dass die Zahl der Erys recht konstant auf 5 Millionen pro Kubikmillimeter eingestellt ist. Wenn durch körperlich schwere Arbeit oder durch Sauerstoffmangel die Überlebenszeit der Erys verkürzt wird und vermehrt Abfallprodukte entstehen, so ist dieses ein kräftiger Reiz für eine vermehrte Neubildung.

Aufbau der Erythrozyten (Eiweißgerüst + Hämoglobin )

Erythrozyt
Erythrozyt

Die Erys haben einen Durchmesser von 7 tausendstel Millimeter. In der Mitte sind sie leicht eingedellt. Es befinden sich 5 Millionen Erys pro Kubikmillimeter Blut. Die Oberfläche der gesamten Erythrozyten des Menschen beträgt etwa 3000 m². Das ist etwa die Größe eines Fußballplatzes. Dadurch wird die Hauptfunktion der Erys, nämlich der Sauerstofftransport, begünstigt.

Eingebettet in ein Eiweißgerüst enthält der Ery den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Dieser ist der wichtigste Bestandteil des Erys, weil er den Sauerstoff transportiert, der zum Leben benötigt wird. Er macht 34% ihrer Gesamtmasse aus.

Der Aufbau des Hämoglobins

Hämoglobin besteht aus einem Globin ( ein Eiweiß ) mit einem Häm.

Modell des Hämoglobin-Moleküls.
Die eingezeichneten Linien zeigen den Verlauf der der Eiweißketten. Ein Hämoglobin-Molekül besteht aus vier Einheiten. Je zwei davon sind identisch. Jede Einheit ist mit einem Häm verbunden.

Rechts : Die Abbildung eines Häms.
Dieses Häm besitzt Eisen ( Fe = Ferrum ) das die Eigenschaft hat, Sauerstoff zu binden und von der Lunge zu den einzelnen Körperorganen zu transportieren.

Das Eisenatom ist also von zentraler Bedeutung. Ohne Eisen sind die roten Blutkörperchen wertlos. Deswegen geht der Körper sehr sorgfältig mit dem Eisenatom um und recycelt es.

Wie funktioniert der Eisenstoffwechsel?

Mit der Nahrung werden täglich etwa 10 - 30 mg Eisen aufgenommen. Davon werden aber nur 5 - 10% vom Körper aufgenommen. Bei Eisenmangelzuständen kann die Menge auf 4 mg gesteiget werden. Über die Darmzellen gelangt das Eisen in den Blutkreislauf und wird dort sofort an ein Transporteiweiß gebunden. Dieses nennt man Transferrin. Es transportiert das Eisen zu den Orten, wo es benötigt wird (z. B. zum Knochenmark für die Blutbildung ) und zu den Speicherplätzen ( etwa 60% in die Leber und 40% in die Milz ). Das hier in den Zellen gelagerte Eisen nennt man Ferritin.

Der Hauptanteil des Körpereisens wird recycelt: Der Erythrozyt wird nach einer Lebenszeit von etwa 120 Tagen von Fresszellen (Makrophagen ) abgebaut. Nach Freisetzung aus dem Hämoglobin wird das Eisen wieder dem Blutplasma zugeführt und erneut an das Transferrin gebunden. Dieses transportiert das Eisen wieder zum Knochenmark. Ein erwachsener Mann recycelt auf diese Weise täglich etwa 30 mg Eisen.

Überflüssiges Eisen wird als Reserve-Eisen in Form von Ferritin und Hämosiderin gespeichert. Kleinere Eisenportionen werden verwendet für den Bau von eisenhaltigen Enzymen und vom Myoglobin im Muskelgewebe.

Nur minimale Eisenmengen gehen passiv durch Abschilferung der Haut und kleine Blutungen verloren ( etwa 1mg - 2 mg ).

Welche Werte kann man messen, um einen Einblick in den Stoffwechsel zu bekommen?

Hämoglobin

Der Wert verrät uns, ob genug sauerstofftransportierendes Hämoglobin in einen Erythrozyten eingebaut wird. Wenn das nicht der Fall sein sollte, dann kann der Grund darin bestehen, dass zu wenig Eisenvorräter vorhanden sind, oder dass das Eisen nicht richtig transportiert wird.

Ferritin (der Eisenspeicher)

Wenn Symptome einer Anämie bestehen, ohne dass ein verminderter Hämoglobinwert gefunden wird, so kann es sich um eine latente Anämie handeln. Der Eisenmangel ist noch nicht so ausgeprägt, das die Neubildung der Erys darunter leidet. Aber die Eisenspeicher sind leer.

Ein Beispiel: Ein Haus kann von weitem noch gut aussehen. Bei näherer Betrachtung sieht man jedoch, dass Mörtel aus den Fugen gefallen ist, dass Schimmel sich an den Wänden gebildet hat und dass das Dach undicht ist. Es droht ein Zerfall und man ist gut beraten, wenn man jetzt schon mit der Beseitigung der Mängel beginnt.

Es ist also aufschlussreich, einen Blick auf die Eisenspeicher in Leber und Milz zu werfen. Dabei gerät das Ferritinmolekül in das Blickfeld, denn an dieses ist das gespeicherte Eisen in den Organen gebunden.

Um zu erfahren, wie gefüllt die Eisenspeicher sind, müsste man die Leber und Milz punktieren, die gewonnen Proben anfärben und unter das Mikroskop legen. Das ist aber eine eingreifende und risikobehaftete Methode. Darum hat man sich einen Trick überlegt, mit dem man sich viel einfacher einen Einblick in die Eisenspeicher erhalten kann: Man misst das Serumferritin.

Ein Beispiel: Man möchte wissen, wieviel lösliche Farbe in einem billigen roten Kleid gespeichert ist. Dafür wäscht man es und schaut sich danach das Waschwasser an. Von der Färbung des Wassers kann man auf den Gehalt der löslichen Farbe im Kleid schließen.

Ähnlich verhält es sich mit dem gespeichertem Eisen und dem im Blut befindlichen Eisen. ( Serumferritin ). Man kann aus der Menge des Serumferritins auf die Menge des Speichereisens schließen. Wenn im Blut eine Konzentration von 100 yg/l gemessen wird, dann hat der Körper etwa 1 g Eisen gespeichert.

Das Serumferritin ist ein Maß für die Körpereisenspeicher ( Ferritin).

Modell eines Serumferritinmoleküls.

Abbildung von einem Modell eines Ferritinmoleküls. Dieses kreist im Blut. Es befindet sich im Zellinneren von Leber und Milz. In diesem sind etwa 4.500 Eisenatome und Bindegewebszellen gespeichert. ( retikuloendothekuakes System ). An dieses Ferritin wird Eisen gebunden und gespeichert.

Das Serumferritin befindet sich mit dem eisenspeichernden Ferritin des Bindegewebes ( retikuloendotheliales System ) in einem Fließgleichgewicht und dient daher zur quantitativen Bestimmung der Eisenspeicher. Normalerweise ist das Serumferritin 20 - 30 % mit Eisen beladen. Das bedeutet, dass eine ausreichende Menge an Speichereisen vorhanden ist. Bei Werten unter 16% kann man davon ausgehen, dass die Bildung der roten Blutkörperchen behindert wird. Ein Wert von unter 12 yg/l beweist einen vollständigen Speichereisenmangel.

Allerdings kann dieser Wert verfälscht werden durch zusätzliche Krankheiten: Bei Entzündungen, einer chronischen Leberkrankheit, bei Krebs oder Schwangerschaft wird vermehrt Serumferritin gebildet und somit kann ein niedriger Wert verschleiert werden.

Wenn die Eisenspeicher angegriffen sind, das Hämoglobin aber noch in ausreichender Menge gebildet wird, dann spricht man von einer prälatenten Anämie. Wenn dieser Zustand nicht behoben wird und die Eisenspeicher nicht aufgefüllt werden, dann hat das Folgen für den Transport für das Eisen.

Die Transferrinsättigung

Es gibt neben dem Serumferritin noch ein zweites Eiweiß im Blut, an das Eisen gebunden ist. Dieses ist nicht für die Speicherung sondern nur für den Transport vom Eisen zuständig. Man nennt es deswegen Transporteiweiß oder Transferrin. Dieses holt das Eisen vom Dünndarm ab und bringt es gleich zum Knochenmark. Wenn es dort nicht benötigt wird, wird es in den Speichern zwischengelagert.

Normalerweise ist das Transferrin mit 20% -45% mit Eisen beladen. Dann ist es gesättigt. Wenn dem Transporteiweiß durch die Nahrung nicht ausreichend Eisen zugeführt wird und es auch aus den Speichern keins auftanken kann, dann sinkt sein prozentualer Eisengehalt, d.h. die Transferrinsättigung sinkt unter 20%. Dann ist es schon zu einer latenten Anämie gekommen.

Erst wenn dieser Zustand über längere Zeit besteht, kommt es zu einer verminderten Hämoglobinbildung und man spricht von einer manifesten Anämie.

Therapie

Natürlich muss man in erster Linie die Ursachen der Anämie bekämpfen. Im zweiten Schritt muss man die Neubildung der roten Blutkörperchen fördern. Eine preisgünstige Therapie aus früheren Zeiten: Man sticht abends einen rostigen Nagel in einen Apfel und ißt ihn dann morgens - natürlich ohne Nagel.

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Bitte beachten: sprechen Sie immer mit Ihrem Arzt oder Apotheker über geeignete Therapien und Medikamente, auch wenn es nur um die Vorbeugung geht.

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Siehe auch: Zu wenig Erythrozyten - Ursachen und Symptome

Co-Autor: Dr. med. Sönke Mißfeldt